Samstag, 15. März 2008

15.03.2008

9. Rundmail

Nach einem Monat Malawi bin ich auch mit dem Kopf hier angekommen. Einige Erlebnisse und Erfahrungen haben dazu beigetragen...
Letzte Woche bin ich krank geworden, die Diagnose war: Malaria. Es war nicht besonders angenehm (Fieber, Schwäche, Erbrechen); aber mit guter Pflege, Medikamenten und Bettruhe, war ich schon nach drei Tagen wieder gesund. Vorher hatte ich gedacht, Malaria müsste ganz schrecklich sein, aber so schlecht ging es mir gar nicht.
Aber es haben auch schöne Erlebnisse dazu beigetragen, dass ich mich hier auch schon zu Hause fühle... Zum Beispiel die Arbeit in der Schule: Ich konnte zwar noch nicht selbstständig unterrichten, das fange ich erst im nächsten ‚Term‘ an (nach den Osterferien, also Anfang April). Aber ich konnte Unterricht anschauen und dabei helfen, habe in der Küche mitgearbeitet, beim Unterricht vorbereiten und korrigieren geholfen und bei AGs mitgeholfen. Wir haben die Tradition von früheren Freiwilligen übernommen und eine Blockflöten AG begonnen. Da 20 Kinder, die gleichzeitig in Blockflöten tröten sehr anstrengend sind, haben wir die Gruppe geteilt. Ich übe nun mit einer Gruppe von 6-8 Jungen aus der fünften und sechsten Klasse ‚He’s got the whole world‘. Es ist total schön zu sehen, wie sie sich freuen, wenn sie die Melodie richtig spielen, und wie sie sich auch gegenseitig helfen.
Musik ist hier sowieso sehr wichtig: Es gibt unglaublich viele Chöre. Bei zwei Chören waren wir schon bei einigen Proben, und mit einem Chor sind wir vor zwei Wochen zu einem Auftritt gefahren. Der Sinn war, Spenden zu sammeln, damit ein Haus für den dortigen Pfarrer gebaut werden kann. Wir sind am Samstag Abend angekommen, und haben gleich zwei Stunden gesungen und getanzt. Am nächsten Morgen ging es weiter mit einem Gottesdienst, der ungefähr fünf Stunden dauerte! Dabei haben wir auch gesungen und getanzt... Ich schreibe das hier so einfach hin: ‚wir haben gesungen und getanzt‘, aber so einfach ist das für mich natürlich nicht. Nicht nur die Texte und Melodien der Lieder sind mir noch fremd, sondern natürlich auch die Bewegungen dazu. Die Malawier haben das eben einfach ‚im Blut‘, da kann ich mir noch eine große Scheibe von abschneiden...
Aber es war wirklich beeindruckend, solch einen langen, fröhlichen und lebendigen Gottesdienst zu erleben. Die Menschen strahlen oft eine ganz große Lebensfreude aus!
Leider fällt es mir nach einem Monat noch sehr schwer, die Verhältnisse, in denen die Menschen hier leben zu begreifen. Wenn ich morgens mitfahre, die Kinder zur Schule abzuholen und die Dörfer, in denen sie wohnen sehe, kommt mir alles so unwirklich vor. Es ist so schwer vorstellbar, dass sie in solchen einfachen Lehmhütten ohne Strom und Wasser leben. Es kommt mir oft eher vor wie ein Museum.
Und obwohl ich hier schon einfacher lebe, als in Deutschland, habe ich dennoch ein ganz anderes Zuhause als diese Kinder. Es fällt mir sehr schwer diese Unterschiede und diese Ungerechtigkeit zu verstehen. Aber das hier ist bestimmt der richtige Ort, um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen; oder auch nicht, denn ich glaube nicht, dass man diese Gegensätze überhaupt verstehen kann...
Ich wünsche Euch und Ihnen ganz schöne Ostern, freut euch des Lebens und genießt die freien Tage...
Clara


So sah der 5-stuendige Gottesdienst aus.



Ein paar liebe Kinder bei dem Chorauftritt.


So schoen sieht's in Madisi aus...


'Morning Assembly' in der Schule


Auch in der Schule: Beim Mittagessen Kochen. Dabei habe ich in den letzten Wochen auch oefter mitgeholfen

Freitag, 22. Februar 2008

23.02.2008

Seit einer Woche bin ich nun in Malawi. Aber ich habe das Gefühl, schon länger hier zu sein, weil ich jeden Tag so viel Neues erlebe.
Deshalb weiß ich auch gar nicht, womit ich anfangen soll...
Vielleicht beschreibe ich erst einmal, wie es hier genau aussieht: Ich lebe zusammen mit zwei anderen Freiwilligen (Claudia und Monika) in einem kleinen Haus neben der Kommunität der Franziskanerinnen, in deren Projekt ich mitarbeite. Einige Mahlzeiten essen wir mit den Schwestern und an drei Tagen beten wir auch mit ihnen die Vesper.
‚Das Projekt‘ ist eine Schule (1. – 8. Klasse), an der Aidswaisen (Kinder, die ihre Mutter oder ihren Vater wegen Aids verloren haben) unterrichtet werden. Aber auch andere Kinder besuchen diese Schule, diese müssen allerdings Schulgebühren bezahlen. In der Schule bekommen die Waisenkinder Frühstück und Mittagessen; außerdem gibt es für sie ein Betreuungszentrum, in dem sie sich nachmittags aufhalten und zum Beispiel nähen lernen. Zudem wird von den Schwestern ein Kindergarten geleitet. Und es gibt auch noch ein Krankenhaus, das früher von den Schwestern geleitet wurde, aber jetzt unabhängig ist.
Ich werde wohl vor allem in der Schule mitarbeiten, und wahrscheinlich Englisch, Sport und Mathe unterrichten. In den Schulferien werde ich wahrscheinlich im Krankenhaus mithelfen und zwischendurch auch im Kindergarten. Aber meinen genauen Arbeitsplan legen wir Anfang nächster Woche fest.
In der letzten Woche war ich in der Schule und habe mir den Unterricht angeschaut und etwas mitgeholfen. Es ist eine ganz andere Art von Unterricht, was wohl an der anderen Mentalität, aber auch an der Klassenstärke liegt. Etwa 70 Kinder sind in einer Klasse – aber im Vergleich zu staatlichen Schulen, mit über 150 Schülern, ist das noch recht angenehm.
Ich bin schon gespannt, wie es sein wird, selbst so eine Klasse zu unterrichten. Aber nach so viel Beobachten, freue ich mich auch schon...
In dieser Region von Malawi spricht man ‚Chichewa‘. Ich habe es auch schon ein wenig gelernt und bin ganz erleichtert, weil es einfacher ist als ‚Malayalam‘ (keine anderen Schriftzeichen, die Aussprache ist nicht so schwer und die Wörter sind eingängiger).
Aber natürlich ist nicht nur die Sprache anders als in Kerala.... Es ist ganz spannend und manchmal auch schwierig, wieder in einer anderen Kultur zu leben. Zum Beispiel begrüßt und verabschiedet man sich hier von jedem einzelnen und fragt, wie es demjenigen geht. In Kerala war das gar nicht üblich, weil man einfach alle gemeinsam begrüßt hat und sich meistens kaum verabschiedet hat... Viele solche ‚Kleinigkeiten‘ sind hier eben wieder anders, aber die Schwestern, Lehrer, Schüler und Angestellten, die ich bis jetzt kennengelernt habe, sind sehr nett und hilfsbereit. Deshalb hält sich der Kulturschock auch in Grenzen und ich fühle mich hier in Malawi schon sehr wohl!
Allerdings habe ich hier in Madisi wirklich keinen Internetzugang und muss dafür in die Hauptstadt Lilongwe fahren, was ich wahrscheinlich nur alle zwei Wochen tun werde (ca. eine Stunde Fahrt). Trotzdem freue ich mich über Rückmeldungen oder auch über echte Briefe...
Ganz liebe Grüße,
Clara

In der Schulpause: Die Kinder bekommen Pala (Maisbrei) - schmeckt ganz lecker....


Im Lehrerzimmer


Bei der Sport AG - wir spielen mit dem Schwungtuch



Monika und ich vor unserem Haus (ich konnte das Bild mal wieder nicht drehen...)

Sonntag, 10. Februar 2008

09.08.2008

Mittlerweile nehme ich schon Abschied von Indien. Das Land und die Leute sind mir wirklich ans Herz gewachsen und der Abschied ist gar nicht so einfach. Also werde ich in dieser Rundmail beschreiben, von wem und von was mir der Abschied besonders schwer fällt.
Es sind vor allem die Menschen, die ich lieb gewonnen habe. Zum Beispiel eine befreundete Sozialarbeiterin (Thankam) und ihr Mann, die Sarah und mich wie ihre eigenen Kinder behandelt haben. Wir haben besonders mit Thankam während und außerhalb der Arbeit viel zusammen gemacht. Ich habe ja auch schon mal in einer Rundmail über sie geschrieben. Sie ist - finde ich - ein sehr beeindruckender Mensch und ich habe so viele schöne, lustige und schwierige Situationen mit ihr zusammen erlebt, dass es schwer ist, Abschied von ihr zu nehmen.
Ansonsten gibt es sehr viele Menschen, mit denen ich weniger intensiv zu tun hatte, aber die sehr herzlich zu mir waren. Zum Beispiel die älteren Menschen bei den Seniorentreffen, Kinder in den Kinderkrippen, ehrenamtliche Helfer und natürlich Studenten und Angestellte am College.
Es ist schwer zu beschreiben, was mir den Abschied von diesen Menschen schwer macht, weil ich ja mit den Einzelnen nicht immer so viel zu tun hatte. Aber sie haben mich nie wie eine Fremde behandelt, sondern sehr bald wie einen alten Freund. Wahrscheinlich hört sich diese Beschreibung ein bisschen kitschig an, aber es ist wirklich war, sobald man jemanden zum zweiten oder dritten Mal trifft, wird man begrüßt und behandelt wie ein alter Freund, auch wenn man sich erst einmal für 5 Minuten gesehen hat.
Auch meine Arbeit hier werde ich vermissen. Es war immer so abwechslungsreich: zwei verschiedene Organisationen, unterschiedliche Projekte, viele Dörfer und noch viel mehr Menschen habe ich kennengelernt. Dabei habe ich so viel über Entwicklungszusammenarbeit gelernt und mir sind viele Zusammenhänge und Probleme klarer geworden. Aber auch von den Aktivitäten mit den Menschen fällt der Abschied schwer – zum Beispiel Spiele mit den älteren Menschen, bei denen wir oft viel Freude hatten und wir uns schon bei meinen Erklärungen gut amüsiert haben... (Malayalam ist eben nicht gerade meine Muttersprache). Oder gestern haben wir in einer Kinderkrippe ein Jugendprogramm gemacht: „Spoken English“. Es ist immer so schön, wie die Menschen bereit sind, sich auf meine Ideen einzulassen und auch meine Art Programme zu gestalten gerne mitmachen...
Außerdem wird mir der Abschied von der Lebensweise hier schwerfallen. Für mich sind vor allem die Spontaneität, die Flexibilität, die Gastfreundschaft und die Kontraste kennzeichnend für die Lebensweise.
Spontaneität und Flexibilität: Eine Situation, die mir dazu einfällt, ist ein Ausflug zu einem Elefantencamp, den wir mit Thankam und ihrer Schwester unternommen haben. Zweimal haben wir den Versuch gemacht die Elefanten dort anzuschauen, aber beide Male war geschlossen. Also haben wir uns spontan umentschieden und ein anderes ‚Ausflugsziel‘ überlegt. Außerdem wird zu den meisten Veranstaltungen (z.B. Hochzeiten) wenige Tage vorher eingeladen... Man ist eben immer bereit, die Situationen so anzunehmen, wie sie gerade ist.
Die Gastfreundschaft: Hierzu könnte ich Romane schreiben. Egal wo ich war, wurde ich immer hereingebeten; und meistens wurde mir etwas zu trinken oder zu essen angeboten oder wenigstens ein Stuhl zum Sitzen...
Die Kontraste: Einerseits finde ich die Kontraste oft toll und beeindruckend. Von der unglaublich lauten, chaotischen und wuseligen Stadt Kochin braucht man nur eine halbe Stunde Busfahrt, und man ist in der Inselgegend, wo ich jetzt arbeite: mitten im ruhigen Dorfleben. Oder man geht durch eines dieser Dörfer, zwischen ganz einfachen Häusern und Hütten, sieht die Frauen beim Wasserholen; aber gleichzeitig dröhnt aus einem Haus ‚Westmusik‘– naja, oft sind es die Backstreetboys: Quit playing games with my heart.... Oder man sieht eine superchic gekleidete Frau, mit ihrem brandneuen Handy und Mofa auf einer Fähre, die eigentlich ein etwas besseres Floß ist.
In diesem Ramen gefallen mir die Kontraste zwischen Stadt und Land, alt und modern, und ‚fortschrittlich‘ und einfach/ improvisiert sehr gut, weil sie die ganze Vielseitigkeit hier wiederspiegeln.
Aber andererseits sind es genau diese Kontraste, die ich nicht verstehe und nachvollziehen kann. Zum Beispiel, als wir den Slum in Mumbai besucht haben, und ein Mann von dort bei jedem Flugzeug hochgeguckt hat, und uns gefragt hat: „Wie ist es denn in so einem Flugzeug? Ich stelle mir jedesmal vor, auch einmal darin zu sitzen und in ein anderes Land zu fliegen...“
Oder wenn man durch die Innenstadt geht, an den riesigen Kaufhäusern vorbei, die innen ganz sauber und klimatisiert sind, aber am Straßenrand davor türmen sich Müllberge.
Und auch die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen – das Wohnheim für männliche Studenten schließt um 23.00 Uhr, das für Studentinnen um 19.00 Uhr(!).
Das alles fällt mir manchmal schon ganz schön schwer hier in Indien.
Ich muss sagen, dass meine Anordnung sehr schlecht ist: Von dem, was mir am Wichtigsten ist, zu dem, was mir schwer fällt... Jetzt kann man wirklich den Eindruck bekommen, dass ich froh bin das Land zu verlassen. Aber das wollte ich überhaupt nicht... Ich finde Indien toll –trotz vieler Probleme. Und ich bin sehr, sehr froh, hier am Rajagiri College gewesen sein zu dürfen.
Außerdem glaube ich, dass mir die Erfahrungen von hier auch in Malawi weiterhelfen können. Aber es wird dort wohl eine ganz andere Erfahrung werden, weil ich ja in einem festen Projekt mitarbeiten werde: eine Schule und Zentrum für Aidswaisen. Dazu werde ich demnächst dann schreiben... Allerdings wird es sehr selten für mich möglich sein, ins Internet zu gehen. Trotzdem möchte ich jeden Monat eine Rundmail verschicken und freue mich auch über Antworten. Nur werde ich wahrscheinlich kaum mehr persönlich antworten. Bitte nehmt/ nehmen Sie mir das nicht übel!
Innerlich bin ich schon oft in Malawi und freue mich, dass es am Freitag losgeht!
Ganz liebe Grüße und alles Gute!
Clara



Beim 'Basketballspielen' mit den Senioren....


Drei ganz liebe Frauen bei den Seniorentreffen.


Unsere 'Spoken English Class'



Ein Picknick bei unserem Ausflug zum Elefantencamp...


Mein Lieblingsobststand und "Ette-Pazham", die es nur in Kerala gibt: sehr lecker, werde ich auch vermissen!


Ein Gruppenbild beim Besuch von Kripa - ein Projekt zur Unterstuetzung von koerperlich Behinderten. Ihnen wird hier eine Ausbildung ermoeglicht.


Die Eroeffnung eines 'Health Camps'. Wir hatten die Ehre die Oehllampe anzuenden zu duerfen!

Sonntag, 13. Januar 2008

Langsam neigt sich die Zeit hier dem Ende entgegen. Nur noch ein monat und dann werde ich mich auf den weg nach Malawi machen. Es ist ziemlich merkwürdig, weil ich mich schon sehr auf die Zeit in Malawi freue, aber mir den Abschied von hier ganz schön schwer vorstelle...
Jetzt zu meiner neuen Arbeit bei CASP. Ich arbeite zwei Tage in der Woche im Büro, wo ich meistens Berichte über die gesponserten Kinder korrigiere und ausdrucke, oder Daten in den Computer eingebe. Da von CASP über 4000 Kinder in Kerala unterstützt werden, fällt sehr viel solcher organisatorischer Arbeit an. Die anderen vier Tage arbeite ich in mehreren Dörfern mit, die alle auf unterschiedlichen, kleinen Inseln liegen. In den Dörfern werden von CASP mit Hilfe von Ehrenamtlichen wöchentlich Treffen für ältere Menschen veranstaltet. In einem der Dörfer gehe ich regelmäßig zu den Treffen (zwei Mal pro Woche), dann spiele ich mit den älteren Herrschaften, helfe beim Kochen, serviere Essen usw. ... „One song please!“ höre ich dort ziemlich oft und das Malayalam-Kinderlied, was mir einige Studenten beigebracht haben, ist schon ein Dauerschlager....
Was ich an den anderen Tagen mache ist immer unterschiedlich. Manchmal besuche ich gesponserte Kinder, um Informationen mitzuteilen. Zum Beispiel hat CASP in den Weihnachtsferien für die gesponserten Zehntklässler ein Berufsinformationscamp über drei Tage organisiert. Um dazu einzuladen, habe ich mehrere Kinder zu Hause besucht (ich war aber in Begleitung von Ehrenamtlichen, die mir mit der Sprache geholfen haben). Außerdem läuft im Augenblick ein Projekt an, das CASP, ROSS (meiner alten Organisation) und der Rotary Club Kochi in dieser Gegend durchführen: Es werden Latrinen und Regenwasserbehälter bei 50 Familien gebaut. Da bin ich auch für die Weitergabe von Informationen und für die Dokumentation zuständig.
Es ist bestimmt schwer vorstellbar, aber man erreicht viele Menschen eben nur auf persönlichem Weg. Die Post ist unsicher und dauert oft zu lange und ein Telefon besitzen nur wenige der unterstützten Familien. Also ist es nötig häufig in diese Gegenden zu fahren. Aber gerade in der Gegend, wo ich jetzt arbeite, ist es besonders schwierig, die Menschen zu erreichen. Ein Boot, das von Insel zu Insel fährt, fährt nur ca. alle zwei Stunden, ansonsten gibt es zum Teil noch Fähren. Der einfache Weg zum Seniorentreffen dauert für mich zum Beispiel immer gut eineinhalb Stunden...
Mir gefällt diese Arbeit auf den Inseln trotzdem total gut. Ich bekomme so viel vom Dorfleben mit und dadurch, dass ich regelmäßig dort bin, kennen mich die Leute auch und es ist schon sehr vertraut.
Am Samstag war ich mit einer der Ehrenamtlichen auf einem Tempelfest: Die Frauen haben vor dem Tempel an Feuerstellen Paysam (eine indische Süßspeise) gekocht, die später gesegnet wurde. Außerdem hat jede Frau etwas von ihrer Portion abgegeben, um es einem Elefanten zu geben. Meistens kommt zu den Tempelfesten ein Elefant.
Zum ‚Ausgleich’ war ich gestern bei einem Kirchenfest – es war ein Riesenspektakel! Die ganze Kirche war voll (draußen standen auch überall Menschen); eine ‚Blaskapelle‘, eine Trommelgruppe und eine Band haben alle gleichzeitig gespielt; und viele bunte Dekorationen (auch als Kopfschmuck) – also von allem etwas und natürlich wurde nirgendwo gespart. Aber ich habe ja schon mal darüber berichtet, wie wichtig der Glaube hier ist. An so einem Festtag erlebt man das noch mal ganz deutlich.
Das ist eigentlich eine gute Überleitung zu Weihnachten... Die Feiertage waren wirklich schön, weil meine Eltern zu Besuch waren. So konnte ich ihnen viel von dem zeigen, was ich hier erlebe und wir konnten über vieles sprechen. Auch die Freunde und Bekannten von hier waren sehr neugierig meine Eltern kennenzulernen und so wurden wir von vielen eingeladen, zu Weihnachten, Neujahr und auch danach... Meine Eltern sind auch mit zu meiner Arbeit gekommen, zum Beispiel zu einer Weihnachtsfeier in einer Kinderkrippe (von ROSS), wo wir auch etwas vorsingen sollten: „Oh du fröhliche“.
Jedenfalls waren es zwar ungewöhnliche, aber doch schöne Weihnachtstage!
Viele liebe Grüße und ein gutes Jahr 2008!
Clara

Frauen geben beim 'Seniorentreffen' ein Liedchen zum Besten


"Oh du froehliche"


Vor einem weihnachtlich geschmueckten Haus bei Bekannten



Paysamkochen beim Tempelfest

Der Elefant beim Tempelfest


Bei einem Ausflug mit Freunden und meinen Eltern


Prozession beim Kirchenfest

Donnerstag, 13. Dezember 2007

13.12.07

Seit drei Tagen sind wir von unserer Reise zurück. Es war wirklich spannend und toll, auch einmal andere Teile Indiens kennenzulernen. Aber das Land ist einfach so riesengroß, dass wir doch nur einen winzigen Teil zu Gesicht bekommen haben. Wir sind in Bussen und Zügen unterwegs gewesen, was manchmal auch etwas abenteuerlich ist; zum Beispiel dauerte die Zugfahrt von Bangalore nach Mumbai 24 Stunden am Stück. In Mumbai haben wir drei Tage verbracht. Vorher wurde uns oft erzählt, dass die Stadt so schrecklich überfüllt sein soll. Mir kam es gar nicht so extrem vor. Die Armut dort hat mich viel mehr geschockt. Man sieht oft Menschen, die in Slums, auf der Straße oder in ‚Zelten‘ (aus Plastikfolie) leben. Wir haben eine Führung durch den größten Slum Asiens mitgemacht. Ich weiß, es hört sich sehr komisch an, eine Führung durch einen Slum zu machen. Als wäre es ein Museum, wo man sich auch mal die Armut anschauen kann und dann wieder herausgehen kann und alles vergessen...
Aber mir ist es sehr wichtig, eine bessere Vorstellung von der Situation dieser Menschen zu bekommen. Und da finde ich es angemessener, von einem Bewohner durch seine Heimat geführt zu werden, als einfach naiv und verloren auf eigene Faust durch diesen Stadtteil zu laufen. Ich habe von dort so viele Eindrücke, dass ich gar nicht weiß, worüber ich schreiben soll. Mir ist vor allem klar geworden, dass ich noch so oft durch dieses Gebiet laufen kann, mit den Menschen reden, bei ihrer Arbeit zusehen und einen Tee mit ihnen trinken kann (wie es bei der Führung war), und trotzdem ist mir alles ganz fremd und so weit weg von dem Luxus, den ich kenne...
Gleichzeitig war ich auch ziemlich erstaunt über das Selbstverständnis der Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Für sie war es nicht ‚der größte Slum Asiens‘ sondern ihre Heimat und der Stadtteil Mumbais, der für wichtige Aufgaben verantwortlich ist, wie Mülltrennung und –recycling. Also kann ich gar nicht sagen, dass ich Mitleid fühle – eher eine Wut über die Ungerechtigkeit.
Ob meine Beschreibung so verständlich ist, kann ich nicht einschätzen. Ich habe so viele Wörter wie ‚die Armut‘ oder ‚die Ungerechtigkeit‘ benutzt, unter denen sich jeder etwas anderes vorstellt, aber ich wollte es wenigstens versuchen.
Natürlich hatten auch angenehmere Stationen auf der Reise, zum Beispiel am Ende zwei Tage Strandurlaub in Goa (bei so vielen Weißen dort, denkt man, dass man im falschen Land gelandet ist...).
Seit der Rückkehr arbeite ich aber nicht mehr bei ROSS, sondern habe mit Sarah getauscht und bin bei CASP (Community Aid and Sponsorship Programme). Das ist eine Organisation, die in ganz Indien arbeitet. Die Zweigstelle für Kerala befindet sich am Rajagiri College. Es geht darum, ländliche Entwicklung zu fördern, vor allem indem Kinder unterstützt werden.
Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Vermittlung von Patenschaften, die dazu dienen bedürftigen Kindern bis zum 18. Lebensjahr ihre Ausbildung zu finanzieren.
Bis jetzt kann ich noch nicht viel zu meiner neuen Aufgabe sagen. Ich werde in einer Dorfgemeinschaft mitarbeiten, in der CASP ein Altersheim und Gesundheitsprogramme organisiert, wo ich mithelfe. Außerdem werden dort Latrinen gebaut, wobei ich mitmachen werde...
Ich freue mich schon auf die neue Arbeit und so werde ich in der nächsten Rundmail auch wieder etwas neues zu berichten haben!
Jetzt hätte ich fast vergessen, etwas zur Weihnachtszeit hier zu schreiben. Das liegt wohl daran, dass ich nicht so sehr in Weihnachtsstimmung bin. Bei um die 30 Grad habe ich eben noch nie Weihnachten gefeiert. Aber seit hier überall bunte und kitschige Papiersterne hängen, und wir unser Zimmer auch schon mit Sternen und einem Mini-Plastikweihnachtsbaum dekoriert haben, kommt doch etwas wie Weihnachtsstimmung auf!
Jedenfalls wünsche ich euch/Ihnen allen frohe Weihnachten und alles Gute für das Jahr 2008!
Viele liebe Grüße,
Clara








Wieder zurueck am College: Weihnachtsbasteln als Deko fuer den Bioladen am College






Unsere Weihnachtsdeko - doch etwas improvisiert...





Einige Eindruecke von unserer Reise:



Ein Versuch das angeblich so wuselige Treiben in Mumbai festzuhalten.




Sonnenuntergang in Palolem, Goa.


Marktstand in Mumbai mit Weihnschtskitsch




Ein weiterer Marktstand, diesmal in Mysore.





Eine Zugbekanntschaft: Kaesekaestchen spielt man hier auch, was bei der Laenge der Zugfahrten auch kein Wunder ist...



Wahrscheinlich ist der Affe doch eher an den Keksen in meiner Tasche als an mir interessiert....

Einer der vielen Tempel, die wir auf unserer Reise besichtigt haben.

Ein weiteres hinduistisches Heiligtum

Montag, 12. November 2007

12.11.2007
Meine Zeit am Rajagiri College ist nun schon fast zur Hälfte um. Es sind so viele Dinge passiert und ich weiß wieder nicht womit ich anfangen soll... Vielleicht mit einem Erlebnis, was mich wirklich berührt hat. Vor gut einer Woche war ich mit einigen Sozialarbeitern aus der Organisation, in der ich mitarbeite, bei einer Familie Zuhause. In der vorherigen Nacht war die Mutter an einer Tropenfieberart gestorben. Sie war erst vierzig Jahre alt und hatte zwei Kinder. Bevor sie krank geworden war, hatte sie sich sehr stark sozial engagiert in ihrem Dorf. Zum Beispiel hat sie sich auch sehr für eine Kinderkrippe von ROSS eingesetzt. Also war sie auch sehr beliebt in ihrem Dorf. Als wir zu ihrem Haus kamen, war ich wirklich überwältigt: Es waren bestimmt hundert Freunde und Verwandte um das Haus versammelt. Sehr viele drängten sich direkt um die Leiche der Frau herum, die vor dem Haus aufgebahrt war. Es war einfach so fremd für mich, wie sehr die Menschen ihre Trauer gezeigt haben: Alle haben sehr laut geweint, gejammert und geklagt, ohne sich dabei zu schämen. Besonders schlimm ging es natürlich den Kindern und dem Mann! Aber viele haben sich auch um die drei gekümmert und sie getröstet. Es ist ganz schwer diese Erfahrung wiederzugeben. Es war einfach so eine intensive Trauer, die alle miteinander geteilt haben! Und zu der Erfahrung von der ganz anderen Art zu trauern kommt natürlich noch die Ungerechtigkeit, dass eine Mutter mit nur vierzig Jahren sterben muss.Ich weiß gar nicht, ob es so viel Sinn macht, von so einer Erfahrung zu berichten, weil das bestimmt schwer nachzuvollziehen ist. Ich weiß ja selbst nicht genau, was ich darüber denken soll. Aber ich kann ja auch nicht immer nur von den Sachen erzählen, die gut klappen und toll sind – dann fehlt doch etwas. Wobei ich sagen muss, dass es mich schon beeindruckt hat, wie die Menschen gemeinsam getrauert haben.Jedenfalls gibt es auch genug Dinge, die wirklich schön sind! Zum Beispiel geben wir jetzt einer Gruppe von 20 Studenten Deutschunterricht, was ziemlich gut klappt. Die meisten sind aber auch Sprachgenies, weil sie mindestens Malayalam und Englisch fließend sprechen, und meistens auch noch Hindi und/ oder Thamil können! Wahrscheinlich ist es deshalb nicht so schwer für sie, noch eine Sprache zu lernen. Auch meine Arbeit macht weiterhin viel Spaß. Ich arbeite jetzt viel bei Programmen im Gesundheitsbereich mit. Zum Beispiel unterstützt ROSS eine ‚Heart Care Foundation‘, die Spenden sammelt, um Herzoperationen für Menschen zu ermöglichen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Gestern habe ich bei einem Werbestand mit geholfen: Spenden sammeln und über die Arbeit der Organisation informieren. Außerdem mache ich seit einigen Wochen Yoga mit einer Gruppe von Studenten. Es ist echt toll und entspannend! Letzte Woche war der Unterricht allerdings am Feiertag von Kerala. Deshalb hatten die Studentinnen alle einen Sari an (6 Meter langer Stoff, der auf eine bestimmte Art um den Körper gewickelt und gefaltet wird). Also haben sie sich ein bisschen geziert und wollten nur mitmachen, wenn es leichte Übungen zur Atmung oder für die Handgelenke sind. Es war ziemlich lustig, wie alle in ihrer schicken Kleidung auf dem Boden saßen und nicht mitmachen wollten...Ansonsten freue ich mich schon sehr auf eine kleine Reise, die Sarah und ich Ende November für zehn Tage machen. Wir fahren dabei in vier andere Staaten von Indien – es wurde uns schon so oft geraten auch andere Staaten zu besichtigen, weil jeder eine ganz andere Kultur und Landschaft hat!Davon wird dann das nächste Mal berichtet!
Hier habe ich einen Hindu Tempel besichtigt, in dem fuer einen Feiertag Figuren von allen Gottheiten aufgebaut wurden. Eine Kollegin und ich nach getaner Arbeit: ROSS hat ein Programm mit medizinischen Untersuchungen, Vortraegen und Ausstellung in einem Dorf organisiert, das in der Naehe vom Strand ist.

Bei einem 'Medical Camp' - sonst messe ich auch den Blutdruck...


Wieder bei einem Programm zur Gesundheitsvorsorge: Ich habe Buch gefuehrt ueber die Patienten, die zu einem 'Eye Camp' (kostenlose Augenuntersuchung fuer die arme Bevoelkerung) gekommen sind.


Neulich haben wir einen Ausflug nach Munnar in die Berge gemacht. Dort sind unter Anderem unglaublich riesige Teeplantagen und vollgestopfte Autos (mit 'Beifahrern' auf dem Dach...)